Leserbriefe

Da Musik nach wie vor ihre Zwangspause einhalten muss, informiert euch unser Förderverein regelmäßig und transparent darüber, welche Appelle ihn erreichen. Die Veröffentlichungen finden natürlich im Einverständnis mit dem jeweiligen Verfasser statt.

Schauen Sie gern regelmäßig nach. Die Sammlung wird regelmäßig erweitert.

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Prof. Ulf Klausenitzer Vorstandsvorsitzender der „Freunde der Staatsphilharmonie e.V.“

Die Kultur ist eine Investition in die Zukunft! Die Stadt Nürnberg hat mit ihrer Entscheidung gegen das Konzerthaus ihre Chance verspielt, kulturell endlich in die erste Liga aufzusteigen. Für die Mehrzahl der demokratisch ans Ruder Geratenen sind Künstler, nicht zuletzt Musiker: beklatscht, auch bejubelt oder bebuht, vielleicht interessant, aber letztlich machtirrelevant. Bei der vergeblichen Kulturhauptstadtbewerbung hat die Politik der Stadt Nürnberg gemeinsam mit Tausenden von Menschen, Künstlerinnen und Künstlern, und Kollektiven die Zukunft ihrer Heimatstadt geplant. „Und wir haben sehr viel Antwort erhalten“, hieß es. Jetzt entschieden sich wenige Politiker gegen das Konzerthaus -OHNE die Künstler und Kollektive und gegen deren Interessen – an einem Tag, an dem die deutsche Automobilindustrie wiederum mit Milliarden unterstützt wurde! Für die (Kultur)Stadt der ‚Meistersinger‘, um die viele Musikerinnen und Musiker in den vergangenen Jahrzehnten auch wegen des Mangels an einem geeigneten Konzertsaal einen Bogen machten, ist die Entscheidung eine Schande. Denn Kultur ist als Kraftwerk der Ideen der Treibstoff für die Entwicklung einer Gesellschaft – und die Musiker sind die Architekten des Himmels.

Dr. JulianTölle

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Herr Söder, Theater und Konzertsäle sind derzeit wohl die sichersten Orte. Ausgefeilteste Hygienekonzepte und deren bereitwillig rigorose Umsetzung durch das Publikum garantieren ein Höchstmaß an Schutz. Kulturveranstaltungen sind eo ipso wahrlich nicht unter „Freizeit“ zu subsummieren, sondern gelebte, performative Kultur ist wesentliche Bildung. „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein“, wie Brecht es pointiert formuliert hat. Ich bitte Sie auch im Namen von unzähligen Kolleginnen und Kollegen -wenn Sie am kommenden Mittwoch in Berlin Entscheidungen treffen- inständig darum, die Bühnen und die Säle wieder zu öffnen. Hochachtungsvoll, Dr. Julian Christoph Tölle“ – Intendant des Musikfestivals „Fränkischer Sommer“

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Qualitativ hochwertige Kultur ist ein Aushängeschild für eine Region, sie beschert ihr mit einem vielfältigen Angebot überregionales Ansehen, zieht Touristen aus dem In- und Ausland an, bringt damit Kaufkraft und schlussendlich auch Arbeitsplätze.
Qualitativ hochwertige Kultur erfordert jedoch entsprechende Rahmenbedingungen unter denen sie sich entfalten kann. Dazu ist es dann wohl auch erforderlich in Vorleistung zu gehen und Bedingungen zu schaffen, die sich eben nicht „gleich rechnen“. Der Neubau eines Konzerthauses dürfte als eine solche Vorleistung einzuordnen sein. An welchem Ort sonst sollen Musiker ihre Kunst auf entsprechend hohes Niveau bringen – für dass sie (zumindest in besseren Zeiten als wir sie gegen-wärtig haben) bewundert und gefeiert werden, vor allem dann, wenn sie zum Präsentieren taugt?
Es gibt wohl, um beim Beispiel des Musikers zu bleiben, nur wenige Ausbildungswege die langwieriger und kostenintensiver sein könnten. Zumindest die finanzielle Last trägt – zum Glück – zu einem großen Teil der Staat durch die Finanzierung entsprechender Ausbildungsstätten und Lehrkräfte. Wie kurzsichtig ist es also dann, ausgerechnet an der Stelle zu sparen, an der von den derart Ausgebildeten etwas in die Gesellschaft zurückkommen kann!?
Baulich und technisch zeitgemäß ausgestattete Arbeitsmöglichkeiten sind im Bereich exzellenter Wissenschaften und leistungsfähiger Industrie nahezu diskussionslos. In der Kultur offensichtlich nicht! Will eine Metropolregion auch in diesem Bereich alternativlos mit tonangebend sein, ist der sich aktuell abzeichnende Weg die falsche Antwort, auf die oder gerade wegen der aktuellen Situation!