DRAHTSEILAKT

Kategorie
Philharmonisches Konzert
Datum
10.07.2015 20:00
Ort
Meistersingerhalle, Nürnberg
Drei Tage lang diskutierte der Komponistenverband der Sowjetunion 1953 über die Zehnte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch: Darf man so komponieren oder muss man diese Musik mit ihrer ungeheuren, als pessimistisch empfundenen Expressivität verbieten, wie manches, was Schostakowitsch zuvor geschrieben hatte? Die Musikfunktionäre hätten kaum so lange diskutiert, wenn sie geahnt hätten, dass die Sinfonie eine Abrechnung mit dem kurz zuvor verstorbenen Diktator Stalin ist, und dass Schostakowitsch hier seine persönliche Trauer und Wut über die Opfer des Stalinismus aufarbeitet. Der Tod des Diktators brachte nicht nur die „Tauwetterperiode“ in der Sowjetunion, sondern beendete auch eine kompositorische Krise, in die Schostakowitsch seit seiner Ächtung durch die offizielle Kulturpolitik 1948 geraten war. In der Zehnten Sinfonie ergreift Schostakowitsch zum ersten Mal wieder öffentlich das Wort und macht mit der Wahl seiner in Musik gesetzten Initialen DSCH als zentrales Motiv den persönlichen Aussagegehalt der Sinfonie unmissverständlich klar. Das klingende Namenskürzel bildet das Hauptmotiv des 1959 entstandenen Cellokonzertes, das er für den damals 30jährigen Mstislaw Rostropowitsch komponierte. Anders als die Zehnte Sinfonie ist das Konzert ein robustes, fast optimistisches Musikstück, kein Rückblick auf Vergangenes, sondern das Werk einer neuen, besseren Zeit.
 
 

Alle Daten

  • 10.07.2015 20:00
 

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